Maintal. Besser hätten die Fastnachtssitzungen des Humor-Musik-Vereins „Edelweiß“ kaum laufen können: Dreimal ausverkauftes Bürgerhaus, ausgelassene Stimmung im Publikum und ein Programm, das in seiner Vielfalt und Qualität begeisterte. Sitzungspräsident Thorsten Heide führte souverän, charmant und mit viel Gespür für den richtigen Ton durch den Abend und verband die einzelnen Programmpunkte zu einer rundum gelungenen Sitzung.
Einen der Höhepunkte setzte Colin Stein als Amor. In seinem politischen Vortrag nahm er das Publikum mit auf eine Reise durch die lokale Politik in Maintal bis hin zur großen Weltpolitik. Von Trump und Putin über Friedrich Merz bis hin zu Bürgermeisterin Monika Böttcher wurde pointiert, kritisch und zugleich humorvoll kommentiert. Musikalisch lockerte Stein seinen Vortrag mit Gesang und Rap auf – ein Auftritt, der mit stehenden Ovationen vom Publikum gefeiert wurde.
Zu den absoluten Stars des Abends zählten zwei Nachwuchstalente. Die erst zwölfjährige Luna Keller feierte mit ihrem ersten gereimten Vortrag auf der HMV-Bühne eine beeindruckende Premiere. Auf der Suche nach Vorbildern – bei VIPs, in der Politik, in der Schule, bei den Eltern, in Hochstadt oder direkt im Saal des Bürgerhauses – machte sie deutlich, wie schwer es für einen Teenager ist, echte Vorbilder zu finden. Ihr Fazit kam beim Publikum hervorragend an: Wenn es dieses Jahr keine Vorbilder gibt, bleibt sie einfach, wie sie ist, und kommt nächstes Jahr wieder zum HMV. Das Publikum sang mit, feierte sie ausgelassen und belohnte sie mit stehenden Ovationen.
Ebenfalls erst elf Jahre alt ist Leni Welsch, die gemeinsam mit ihrer Mutter Katja Welsch ein kongeniales Duo bildete. Beim gemeinsamen Aufräumen des Dachbodens prallten zwei Generationen aufeinander: Die digital aufgewachsene Tochter konnte mit vielen Fundstücken aus der analogen Welt ihrer Mutter nichts anfangen. Der humorvolle Dialog, das perfekte Zusammenspiel und die liebevollen Spitzen sorgten für viele Lacher, großen Applaus und ebenfalls stehende Ovationen.
Als verrückter Professor versuchte Marcus Thomasdem Pulikum die Bedeutung des Wortes Fastnacht auf amüsante Weise näherzubringen. Mit kreativen und verschachtelten Wortspielen brachte er das Publikum zum Mitdenken und sorgte für einige Lacher. Ein gelungenes Debüt!
Für einen kurzweiligen Open-Stage-Moment voller sprachlicher Überraschungen sorgten Moderatorin Melissa Kimberly Frazier, die Freiwillige aus dem Publikum auf die Bühne einlud.Stefan Lohr punktete als Sprücheklopfer in Sachen „Lebensweisheiten“ mit treffsicherem Wortwitz, Andreas Koffler begeisterte als Tuba- und die Am-BossHoss-Polka spielender Tiroler mit musikalischem und sprachlichem Charme und Patrick van der Stap feierte als „Neubürger“ schließlich seinen bestandenen Einbürgerungstest als „echter Hochstädter“.
Steinzeitlich-rustikal ging es beim Männergruppenstück zu, das in einer originellen Mischung aus Jurassic Park und Familie Feuerstein die Dino-Welt und die Welt der Neandertaler zusammenbrachte. Und ausgerechnet die am weitesten entwickelte Spezies auf der Bühne, der Dino, wurde zum Stein des Anstoßes und zum Streitpunkt zweier Nachbarn. Wie das dann mit dem Aussterben und Überleben weiterging, verriet das Gruppenstück am Ende sogar auch noch – belohnt mit großem Applaus des Publikums.
Musikalisch brachte Johannes Rosbach, „Delegierter des köllschen Karnevals“, mit Karnevals-Klassikern den Saal zum Beben. Spätestens hier hielt es kaum noch jemanden auf den Stühlen. Für beste Mitsing- und Mitklatschstimmung sorgte außerdem das Gesangsduo Pia Jost und Claudia Dimter, das mit bekannten Hits den Saal zum Feiern brachte.
Auch die zahlreichen Tanzdarbietungen überzeugten mit Qualität, Kreativität und Leidenschaft. Die Maxi-Majorettes präsentierten ihre „Reise durch Europa“ mit schnellen Drehungen, hohen Würfen und beeindruckender Synchronität. Die dynamische Choreografie zeigte technisches Können und große Ausstrahlung. Trainiert werden sie von Katharina Neumann und Franziska Meyer, deren intensive Arbeit deutlich sichtbar wurde.
Die Majorettes legten mit ihrem Thema „Festival“ noch einmal nach. Sie begeisterten mit noch mehr Tempo, Ausdruck und Energie das Publikum und wurden für ihre starke Bühnenpräsenz mit großem Applaus belohnt.
Farbenfroh und fantasievoll zeigte sich das Tanzprojekt mit der „Disneyparade“. In liebevoll gestalteten Kostümen tanzten bekannte Disneyfiguren über die Bühne: von Micky Maus über zahlreiche Disney-Prinzessinnen wie Arielle, Belle, Cinderella und die Eiskönigin bis hin zu Madame Pottine. Die Choreografie von Stefanie Oestreich verband Spielfreude mit präzisen Formationen und ließ nicht nur Kinderherzen höherschlagen.
Mit viel Ausdruckskraft und starken Emotionen überzeugten Girls United in ihrem Showtanz „Im Feuer des Phönix“. Eindrucksvolle Hebungen, Leuchteffekte und eine kraftvolle Choreografie erzählten die Geschichte von Stärke und Neubeginn. Trainiert von Svenja und Jessica Lohr, sorgte der Auftritt für Gänsehautmomente.
Geheimnisvoll und ästhetisch präsentierte sich Greenrhythm als „Sandgöttinnen“. Ausdrucksstarker Tanz, fließende Bewegungen und stimmungsvolle Effekte entführten das Publikum in eine faszinierende Welt und zeigten hohe tänzerische Qualität.
Spektakulär wurde es mit No Limits und „Circus After Dark“. Die mitreißende Choreografie verband Kraft, Eleganz und Spannung. Akrobatik, rasante Szenenwechsel und vielfältige Effekte machten diesen Auftritt zu einem echten Highlight.
Ein weiterer Höhepunkt war das Männerballett mit „Welcome to Miami“. Mit einer großen Gruppe, mitreißender Musik und einer Mischung aus Hip-Hop, Surferboys und sommerlichem Flair eroberten sie die Bühne im Sturm. Humor, Power und sichtbarer Spaß am Tanzen sorgten für begeisterte Reaktionen. Trainiert wird das Männerballett von Jasmin Heukeroth, Katrin Koffler-Wittig und Carolina Schock.
Bilder: R1 Fotografie Holger Stürtz (www.r1fotografie.com)