Fastnachtssitzung 2013

Batman als Detektiv im Märchenwald

Freche Sprüche, bekannte Lieder und farbenfrohe Kostüme bei der Sitzung des Humor-Musik-Vereins


„Heut‘ ist Karneval im Bürgerhaus in Hochstadt“ – mit diesem Lied eröffnete Klaus Hahn das närrische Treiben im ausverkauften Hochstädter Bürgerhaus. 

Der Maintal Tagesanzeiger schrieb: „Über Nachwuchs bei den Majorettes muss sich der HMV keine Sorgen machen. Sämtliche Majorettesgruppen, wie die Mini-, die Midi- und die Maxi-Majorettes sowie die ‚No Limits‘ sind gut besetzt und bewiesen ihr tänzerisches Können im Bürgerhaus Hochstadt gleich zu Beginn an.“ „Strahlende Tänzerinnen animieren zum Mitmachen“ (MTA) und tatsächlich ließ sich das Publikum nicht lange bitten und begleitete klatschend den Gemeinschaftstanz aller vier Majorettesgruppen. Dabei standen an die 50 Tänzerinnen im Alter von vier bis 25 Jahren gemeinsam auf der HMV-Bühne – ein Faktum, das Sitzungspräsident Thorsten Heide gerne hervorhob, nachdem er in kurzer Ansprache das Publikum zur Humoristen-Sitzung begrüßt hatte.

„Für die ersten Lacher sorgte Johannes Matthias, da hatte er noch kein einziges Wort gesprochen. Alleine sein Outfit – Vokuhila-Frisur, sexy Fliegerbrille, Hochwasserhose und Tennissocken in Badeschlappen – entlockte den Besuchern ein lautes Kreischen. Die perfekte Macho-Hülle hielt, was sie versprach und so begeisterte Aushilfs-Animateur ‚Horst-Kevin-Ronny-Jerome-Pascal‘, Spitzname ‚Horsti‘, mit seinen Erlebnissen aus dem Ferienclub ‚Humoria‘. Mit rheinischem Dialekt gab er ‚I sing a Liad für di‘, ‚Schatzi, schenk mir ein Foto‘, ‚Ai se tu pego‘ und ‚Komm hol das Lasso raus‘ zum Besten und steigerte damit die Feierlaune im Publikum.“ (MTA)

Sammy Klyn „hatte für die Sitzungen den Umzug ihrer Familie aufbereitet. Mit schrägen Klamotten schlenderte sie über die Bühne, um mitzuteilen, dass sie außer ihrer Sesamstraßen-Schlafanzughose und einem Blümchenkleid nichts mehr zum Anziehen finde. Das Chaos beim Packen hatte die ganze Familie überrollt und Sammy Klyn berichtete davon: ‚Der Schnaps steht jetzt in der Küche, die Mutti freut‘s. Mein Bruder will nicht weg, der versteckt sich zwischen Kartons und Silberbesteck.‘ Schlussendlich musste die gesamte Familie sogar im neuen Haus im Dunkeln sitzen, weil irgendjemand vergessen hatte, die Lampen zu montieren.“ (MTA) Sammy Klyn (19) ist nur eines der vielen Nachwuchstalente aus den Reihen der Humoristen. Ihren gereimten Vortrag hatte sie selbst geschrieben und auch ihren Auftritt in Eigenregie vorbereitet. Dies wurde seitens des Publikums mit viel Applaus belohnt.

„Eine Zeitreise unternahmen die Mitglieder des Jugendgruppenstücks. Erst im vergangenen Jahr feierten sie ihr Debüt auf der großen Sitzung und beeindruckten die Erwachsenen mit ihrem Talent. Mit Spritzigkeit, Kameradschaft und einer gehörigen Portion Humor konnten sie am Samstag erneut begeistern. Opa (Noah Schauer) nahm die Jugendlichen Anika Waider, Julien Klyn und Hakim Schäfer mit auf eine Zeitreise zu den Hippies (Colin Jeske, Sammy Klyn, Christian Leist) und den Rockern (Fabian Fuchs, David Sessner, Patrick van der Stap). Mit diesen kamen sie ins Gespräch und wunderten sich über Kleidung und fehlenden Handyempfang.“ (MTA) Auch die 10 Jugendlichen  hatten ihr Stück selbst verfasst– das ist bei Jugendlichen ihres Alters keine Selbstverständlichkeit. Mit der vor drei Jahren ins Leben gerufenen „Dichterwerkstatt“ im HMV – einer in der Region beispiellosen Form der Jugendförderung – finden sie einen Ort, an dem ihr Talent unterstützt wird.

Auch die Männer des Männergruppenstücks hatten sich in diesem Jahr wieder Einiges einfallen lassen, um das Publikum zu begeistern: „Das Männergruppenstück hatte sich den Märchenwald als Schauplatz ausgewählt. Eines der drei Schweinchen war entführt worden und so machten sich Batman (Stefan Lohr) und Robin (Johannes Matthias) auf die Suche nach der „armen Sau“. Doch die Ermittlungen stellten sich alles andere als einfach dar. Weder der böse Wolf (Andreas Koffler), der gerade Rotkäppchens Großmutter verspeist hatte, wusste Rat, noch das Bürokratie liebende Schneepunzelröschen (René Kröller). Nur mühsam kamen Batman und Robin dem Täter auf die Schliche.“ (MTA) Um das Stück zu schreiben hatten sich die Spieler diese Kampagne  extra einen Tag in der HMV-Geschäftsstelle eingeschlossen. Die Reaktion des Publikum s bewies: Die Mühe hatte sich gelohnt.

Fastnacht ist die Umkehrung der Machtverhältnisse und so durfte auch bei den Humoristen im Programm die Politik nicht fehlen. Frank Walzer und die erst elfjährige Lara Fischer traten als eine Hellwache und ein Babysitter auf. „Weil Lara nicht einschlafen konnte, berichtete er ihr vom Ritter ‚Rohrbach‘, der ‚Burg in der Klosterhofstraße‘ und dem großen Haushaltsloch, das der Ritter mit Ruhekissen stopfen wolle: ‚Der Ritter Rohrbach setzte immer aufs falsche Pferd, drum war er ohne Pferd im Land als zügelloser Rohrbach bekannt.‘ Frank Walzer brachte das Publikum mit seinen auf den Punkt gebrachten politischen Spitzen zum Lachen und verpackte ebenso viel Kritik in seinen umgeschriebenen Liedern.“  (MTA) Ein „Protokoll“, wie es weit und breit kein zweites gibt: mit spitzer Zunge, klaren Worten, und viel Musik, immer den Urgedanken der Fastnacht im Blick: die bestehenden Verhältnisse von der Bühne aus auf den Kopf zu stellen. Viele Gäste warteten schon auf den politischen Teil des Programms und waren von den Kommentaren des „Großen“ und der „Kleinen“ begeistert: Neben großem Zwischenapplaus gab es sogar stehende Ovationen noch vor Ende der Nummer.

„Als Maya wollte Colin Stein nicht am Weltuntergang teilnehmen und ritt daher mit seinem Büffel schon frühzeitig nach Hochstadt, denn ‚dem Rohrbach ist der Weltuntergang zu teuer‘.Was der Maya allerdings in Hochstadt sah, kam einem Weltuntergang schon nahe: Organhandel, Hungersnot und Parkplatzbesetzer. Sein Fazit: ‚Hochstadt härtet ab‘.“ (MTA) Das Publikum musste an zig Stellen zustimmend nickend lachen. Mehr noch: Colin Stein musste in seinem ihm eigenen Rasanz-Stil mehrmals innehalten, weil er durch Applaus und Anfeuerungsrufe der gut unterhaltenen Menge unterbrochen wurde. Der Saal feierte ihn an allen drei Sitzungen mit stehenden Ovationen. Einen großen Extra-Applaus gab es zudem noch für sein zehnjähriges Bühnenjubiläum als Einzelvortragender – und das mit gerade einmal 23 Jahren!

Doch wie das Programm deutlich zeigte, ist Jugendförderung bei den Humoristen nun mal Trumpf und kein PR-Schlagwort. Und so ist es kein Wunder, dass die meisten Wortbeiträge von Mitgliedern unter 30 Jahren auf die Bühne gebracht werden. Zudem stammen die gesprochenen Beiträge aus der Feder des jeweiligen Vortragenden beziehungsweise werden von den Mitgliedern der Gruppenstücke selbst verfasst. Auf seinen Nachwuchs kann der HMV wirklich sehr stolz sein!

„Dank ihres Grals gelang es der ‚Zauberin Medea‘ (Petra Arnhofer), so einige Geheimnisse zu lüften. Ob Politiker, Senioren oder Männer, niemand ist sicher vor ihr und so verbindet Petra Arnhofer schon seit vielen Jahren fastnachtliche Vortragstradition mit modernen Elementen und weiblichem Humor.“ (MTA) Rockig kam sie auf die Bühne, mystisch präsentierte sie sich, doch inhaltlich ging Petra Arnhofer – ganz geerdet – auf die niedere Politik ebenso ein wie auf Bundespolitisches und das Alltägliche des Menschen im Baumarkt und vor dem Computer.

„Für Begeisterung sorgten im weiteren Verlauf der Sitzung die Majorettes (‚No Limits‘) sowie die Maxi-Majorettes. Die ‚No Limits‘ hatten einen Stab- und einen Showtanz einstudiert. In grünen, glänzenden Kostümen, besetzt mit Strass. und einer roten Blume im Haar, schwangen die Tänzerinnen ihre Batons zum Thema ‚Afrika‘. Dabei bestachen sie in der Ausführung durch Gleichmäßigkeit, Geschick und Eleganz. Mit besonders aufwendig genähten Kostümen begeisterten sie mit ihrem Showtanz ‚Alice im Wunderland‘, bei dem alle Stars aus dem berühmten Kinderbuch vertreten waren.“ (MTA) Pep, tänzerische Kombination und Ausdruck – dafür bekam die größte Tanzgruppe des HMV viel Applaus seitens des Publikums.

„Zu begeistern wussten auch die Maxi-Majorettes. Die seit 1992 in natürlich wechselnder Besetzung aktive Tanzgruppe präsentierte einen Stabtanz zu ‚Rock, paper, scissors‘ und ‚Waiting for a star to fall‘. In mit weinroten Pailletten und Sternen verzierten Outfits zeigten die Tänzerinnen, was sie von ihren Trainerinnern Britta Rosbach, Nina Reich und Julia Filz schon alles gelernt hatten.“ (MTA)

„‚Freaky Birds‘ lautete der Titel, mit dem die in der Kampagne 2009/2010 ins Leben gerufene Showtanzgruppe ‚Greenrythm‘ aufwartete.“ Die Tänzerinnen „schwebten im wahrsten Sinne des Worts auf die Bühne, um dann mit einer ausgefeilten Choreographie die Gäste ins Paradies der „Freaky Birds“ zu entführen“. (MTA) Für ihren Tanz bekamen sie viel Applaus und stehende Ovationen. Dem Publikum hatte der Tanz gefallen – für die Tänzerinnen gab es großes Lob.

„Eine sehr ausgefeilte Show hatten auch die ‚Golden Girls‘ vorbereitet, die schon seit vielen Jahren zum festen tänzerischen Programmpunkt der Humoristen gehören.“ Die acht Damen „waren in Kostüme aus der Zeit der goldenen 20er geschlüpft und präsentierten in ihren Paillettenkleidern und mit Kopffederschmuck für diese Zeit typische Tänze“.  (MTA)

„Als Polizisten, Astronauten, Footballspieler, Piloten, Chirurgen, Fußballspieler und Rennfahrer hatten sich die Mitglieder des Männerballetts verkleidet. ‚Wenn ich einmal groß bin‘ lautete der Titel des Programmpunkts.“ (MTA) Es war einfach umwerfend – buchstäblich – wie diese Männer einen mitreißenden Tanz auf die Beine stellten, der in erstaunlichem Maße Beweglichkeit, Rhythmusgefühl und männliche Lebensfreude ausstrahlte. Das HMV-Männerballett ist übrigens seit Jahren das einzige Maintaler Männerballett ohne weibliche Trainerin – die Leitung hat Marc Herold inne, die Choreographie wird von Luis Cercas entwickelt.

„Für die richtige musikalische Stimmung sorgten über den gesamten närrischen Abend hinweg verschiedene Gruppen: die ‚Humorias‘, Klaus Hahn, das ‚Clautrio‘, die HMV-Band und die Hochstädter ‚Lärmbelustigung‘.“ Die „Humorias“ begeisterten in diesem Jahr wieder „mit bekannten Songs, welche das Publikum sofort mitsang. ‚Disco – Licht aus, Spot an‘ lautete das Motto ihres ersten Auftritts, nach der Pause begeisterten sie mit dem ‚Besten der vergangenen fünf Jahrzehnte‘“.(MTA) Das Publikum hielt es bei ihren Auftritten nicht auf den Stühlen, sie klatschten und sangen alle lautstark mit. Klaus Hahn eröffnete das Programm der Humoristen „mit dem Lied ‚Heut' ist Karneval im Bürgerhaus in Hochstadt‘, das sich zur HMV-Hymne entwickelt hat. Beim ‚Clautrio‘ ist Klaus Hahn ebenfalls aktiv, singt gemeinsam mit Claudia Dimter und Claudia Rieß Stimmungslieder. Diesmal präsentierte das Trio ‚Wir singen: Hochstadt Helau‘, ‚Hände hoch‘ und ‚Jetzt geht's richtig ab‘.“ (MTA) Im Saal stieg der Stimmungspegel und auch hier sangen die Besucher kräftig mit. Lockerungsübungen vor dem großen Finale: Die Besucher sparten nicht mit Applaus.

„Traditionell am lautesten wurde es am Ende der Sitzung mit dem Auftritt der Hochstädter ‚Lärmbelustigung‘. Die mittlerweile 33 Guggemusiker besetzten die Bühne und brachten nochmal ordentlich Schwung in den Saal. Keinen hielt es mehr auf seinen Sitzen, als die ‚Lärmbelustigung‘ bekannte Lieder schwungvoll und schräg auf ihren Instrumenten wiedergab.“  (MTA) Klar, dass die Gruppe nicht ohne mehrere Zugaben von der Bühne gelassen wurde.

Die Humoristen können in dieser Kampagne auf drei erfolgreiche Fastnachtssitzungen zurückblicken und stolz auf ihre Leistungen vor, hinter und auf der Bühne sein. Alle Aktiven zeigten starke Leistungen, die vom Publikum mit viel Applaus belohnt wurden. Gezeigt hat sich wieder einmal, dass der HMV in Sachen Nachwuchs keine Sorgen haben muss. Der Nachwuchs steht in den Startlöchern und drängt auf die große Bühne – sowohl im tänzerischen Bereich als auch bei den Wortbeträgen. Darauf können die Humoristen wahrlich stolz sein! Genießen wir noch die restlichen Tage der kurzen Kampagne 2012/13, die für den HMV sehr früh begann. Und freuen wir uns schon mal auf den ersten Schlachtruf in der neuen Kampagne, wenn es im Herbst wieder heißt: Hochstadt – Helau! Fastnacht – Helau! HMV – Helau!

 

Auszüge aus dem Bericht des Maintal Tagesanzeigers (geschrieben von Judith Grommes) +++ Bilder von Kalle Meyer +++